Sax-Farben AGStationsstrasse 41 · CH - 8902 Urdorf · Tel. +41 44 735 32 32 · Fax +41 44 735 32 00 · sax-farben@sax.ch

Grundierung

Es kommt leider immer wieder vor, dass Bildwerke - selbst solche bekannter Künstler - bald nach der Fertigstellung Schäden aufweisen, nur weil die Maler dem technischen Aufbau ihrer Bilder zu wenig Beachtung geschenkt haben.

Schon der berühmte französische Maler Georges Braque (1882 - 1963), der Mitbegründer des Kubismus, empfahl den angehenden Kunstmalern, für einige Zeit bei einem Flachmaler tätig zu sein, um so die Anwendung und Verarbeitung der verschiedenen Werkstoffe kennenzulernen. Denn der Aufbau eines Bildes ist tatsächlich sehr eng mit den Anstrichtechniken eines Flachmalers verwandt.
Die häufigsten Bilderschäden sind Riss- und Runzelbildungen, Abplatzen des Farbauftrages, Auskreiden und Verblassen der Farben, sowie matte Farbflecken im Bild.
Um solche unliebsame Erscheinungen möglichst zu vermeiden, stehen wir unserer Kundschaft gerne mit fachmännischer Beratung bei.

Der herkömmliche Bildträger ist die auf Keilrahmen gespannte Leinwand. Aber auch Pavatex und Spanplatten (Novopan usw.) eignen sich dazu vorzüglich, und für Studienzwecke genügt selbst vorgeleimtes Packpapier.

Zum Aufspannen der Leinwand schneidet man diese auf jeder Seite 2 1/2 -3cm grösser als den Keilrahmen. Zu beachten ist, dass die Leinwand auf der etwas erhöhten, äusseren Rahmenkante aufliegt, und fadengerade aufgezogen wird. Dazu befestigt man den Stoff mit je einem flachköpfigen Nagel in der Mitte der vier Rahmenaussenseiten.
Dann schlägt man auf einer Seite, von der Mitte gegen die Ecken hin, in Abständen von ca. 5-6 cm die weiteren Nägel ein. Nachher erfolgt die Befestigung auf der Gegenseite. An den Ecken wird der eine Stoffüberlitz über den anderen geschlagen. Die Keile sollten erst nach dem Grundieren nur wenig eingetrieben werden.
Neuerdings wird die Leinwand auch mit Heftklammern (Postitch) auf Keilrahmen befestigt.

Die Grundierung spielt beim Aufbau eines Anstriches eine bedeutende Rolle. Ein Grundanstrich darf nie zu fett sein, weil sonst ein darauffolgender Zwischen- oder Fertiganstrich - wenn dieser magerer gehalten - Rissbildungen verursacht. Fertiganstriche sollten aber auch nicht überfettet sein, da solche zu Schrumpfungen neigen.
Auch darf ein Künstler nicht - wie das oft geschieht - in Ermangelung des richtigen Werkstoffes, z.B. anstelle von Oelfarbe, einfach mit Dispersionsfarbe weitermalen. Solches x-beliebiges Durcheinandermalen wird sich früher oder später rächen.

Matte Stellen im Bild ergeben sich dort, wo das Oel der aufgetragenen Farbe zu sehr von der Grundierung aufgesogen wurde. Man spricht hier auch von "eingeschlagenen" Stellen. Zu vergleichen ist diese Erscheinung in der Baumalerei mit grundiertem Holz, welches teilweise gespachtelt und ohne Zwischenanstrich fertig gestrichen wurde. Da die gespachtelten Stellen mehr Anstrichbindemittel aufsaugen als die bereits gestrichene Fläche, müssen sie vor dem Fertiganstrich vorgestrichen oder isoliert werden.

Rezept für Leimwasser zu Leim-Kreidegrund:
60 - 80 Gramm Körnerleim (pulver- od. splitterförmig) in 1 Liter Wasser quellen lassen und im Wasserbad erwärmen (nicht kochen!)
Die Leinwand sollte vor dem Grundieren mit Leimwasser vorgeleimt werden.
Der Leimwasseranstrich ist gut trocknen zu lassen.

Rezept für Leim-Kreidegrund:
1 Teil Kreidemehl und 1 Teil Zinkweiss in Pulver trocken mischen und in 1 - 2 Teil purem Wasser knollenfrei anrühren.
Alsdann mit 1 Teil warmem Leimwasser binden.
Dieser Leim-Kreidegrund wird mit dem Pinsel, in Abständen von je 1/4 Std. , in zwei bis drei Lagen kreuzweise aufgetragen. Bei grossen Flächen wird dem letzten Anstrich etwas pures Wasser beigegeben, damit der Grund nicht reisst. Eine Zugabe von 10 % Alaun zum Leimwasser (auf 60 Gramm Leim = 6 Gramm Alaun) macht den Leim wasserunlöslich. Ein Ueberstreichen des Leim-Kreidegrundes mit 4-6 %iger Formalinlösung erfüllt denselben Zweck. Auf so präpariertem Malgrund kann mit wasserverdünnbaren Farben gemalt werden.

Rezept für Halbölgrund:
1 Teil Kreidemehl und 1 Teil Zinkweiss in Pulver trocken mischen und in 1 Teil geliertes Leimwasser einrühren. Dann tropft man, unter ständigem Rühren, 1/4 bis 1/2 Teil Leinölfirnis bei. Hernach wird das Gemisch mit 1 Teil Wasser langsam streichfertig verdünnt.

Je mehr Leinölfrinis beigegeben wird, desto weniger saugt der Grund. Alaun oder Formalin fallen hier weg.
Der Halbölgrund wird gleich verarbeitet wie der Leim-Kreidegrund, auf vorgeleimte Leinwand, nachdem die Vorleimung gut getrocknet ist! Die Anstriche erfolgen in Abständen von ungefähr 1/2 Std., wenn der vorangegangene Anstrich angezogen hat. Ein Halbölgrund trocknet auch ziemlich schnell und kann bereits Anderntags bemalt werden. Je länger die Trockenzeit, umso besser der Grund.
Neben diesen traditionellen Grundierarten finden Dispersions- und Acrylgrundierungen immer häufiger Verwendung.
Auf gut präparierten Malgründen lässt sich zügig malen, und je nach ihrer Saugfähigkeit kommen die Farben stumpfer oder leuchtender zur Geltung.
Spanplatten und glatte Pavatexseiten sind zuerst mit Nitrohartgrund, verdünntem Binder, oder mit magerer Oelfarbe (Bleiweiss) vorzustreichen, um eine einwandfreie Haftung der eigentliche Grundierung zu gewährleisten. Wachsüberzüge auf Spanplatten sind mit Verdünner abzureiben.
Karton sollte, damit er sich nicht verbiegt, auch auf der Rückseite mit einem Anstrich versehen werden.

Harzessenzfirnis ist in der Malerei nicht wegzudenken.
Dazu wird 1 Teil Dammarharz in 3 Teilen rektifiziertem Terpentin gelöst; und zwar hängt man das Harz in Gazebeuteln in das Terpentin, damit allfällige Harzrückstände den Essenzfirnis nicht verunreinigen.
Dieser Firnis findet universelle Verwendung. Den Künstlerfarben, speziell den Weissfarben, wird er als Sikkativersatz beigegeben. Auch wird er zum Isolieren des Leim-Kreidegrundes gebraucht, damit dieser wenig oder gar nicht mehr saugt. Dabei ist zu beachten, dass der Firnis möglichst dünn aufgetragen wird. Ferner wird er als Retuschierfirnis verwendet (bei matten Flecken im Bild usw.), dazu ist er mit 25% Terpentin zu verdünnen. Blinde (matte) Stellen können auch mit verdünntem Dispersionsbinder vorgestrichen werden.

Dammar-Harzessenzfirnis ist ein hervorragender Schluss- oder Bilderfirnis für Oelgemälde. Noch besser - in Bezug auf Nichtvergilben - ist ein Gemisch im Verhältnis 1:1 von Dammar-Essenfirnis mit Ketonharz N (1:3 in rekt. Terp. gelöst). Beide Schlussfirnisse lassen sich bei einer event. Bildrestauration mit rektifiz. Terpentin leicht entfernen. Für alte, spröde Gemälde kann dem Schlussfirnis bis 5% Rizinusöl beigegeben werden.
Sehr wichtig ist, dass die Farben eines Bildes vor dem Schlussfirnisauftrag gut durchgetrocknet sind, ansonst Gefahr von Rissbildung besteht!

Qualitativ hochwertige Malmittel enthalten Harzessenzfirnis.

Malmittel raschtrocknend
1 Teil Dammar-Harzessenzfirnis
2 Teile Terpentin rektifiziert

Malmittel mittelmässig trocknend
1 Teil Leinöl roh
1 Teil Dammar-Harzessenzfirnis
1 Teil Testbenzin

Malmittel langsam trocknend
1 Teil Mohnöl
1 Teil Dammar-Harzessenzfirnis
1 Teil Testbenzin

Sikkativzusätze sind zu meiden!
Mohnöl ist ein sehr langsam trocknendes Oel.

Es bleibt dem Malenden überlassen, das für seine Ansprüche geeignete Malmittel herzustellen.
Ausgangsprodukt sei aber immer Dammar-Harzessenzfirnis.

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