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Alte Anstrichtechniken

Vortrag anlässlich der Fachtagung vom 18. Mai 1982 von Otto Desponds

Restaurierte, alte Gebäude, deren Wände mit mastiger Dispersionsfarbe gestrichen, und deren Zimmerdecken, Türen und Schränke mit Kunststoffplatten überzogen sind, erinnern uns unwillkürlich an eine Szene aus Friedrich Dürrenmatt's Stück "Besuch der alten Dame". Denn die gleiche, leicht abgewandelte Frage, die dort der einstige Jugendfreund an seine ehemalige Geliebte richtet, kann man auch beim Anblick solcher Bauten stellen. Die Frage nämlich: Ist denn alles Kunststoff an dir?
Im Bestreben, denkmalwürdige Objekte der Nachwelt zu erhalten, sollte dort, wo die Möglichkeiten gegeben sind, nebst der stilgerechten Instandstellung vermehrt auch Wert auf die Verwendung von damals üblichen Materialien gelegt werden. Zu diesen gehören vor allem die Öl- und Leimfarben.

Die Öltechnik
Diese konnte man bis zum zweiten Weltkrieg als die Grundlage des Malerberufes bezeichnen. Sie hatte die ausgedehnteste Verwendung, und auf ihr beruhte der grösste Teil der Malerarbeit. Ein Fachmann beschrieb sie wie folgt: Sie dient im gleichen Masse der Verschönerung wie der Nützlichkeit, der Poesie, d. h. den schönen Künsten, wie der Prosa, d. h. dem schlichten Anstrich.
Sie wurde zuerst im Mittelalter versucht, und dann von flämischen Malern (Van Eyck, Breughel, Rubens u. a.) allgemein für die damals in Blüte stehende Bildermalerei angewendet. Bald darauf hat sie sich auch für Anstriche eingeführt, und bis Ende der dreissiger Jahre unseres Jahrhunderts eine stets zunehmende, ungeheure Bedeutung erlangt.

Vor allem ist es das Leinöl, das durch seine vorzügliche Eigenschaft, an der Luft zu trocknen und zu erhärten, dieser Technik zu ihrem Erfolg verholfen hat. Wohl mögen noch andere Öle ähnliche Eigenschaften haben und das Leinöl teilweise ersetzen - häufig auch mit ihm vermischt werden - dennoch erreicht kein anderes Öl diese Vorzüge, die es im Gewerbebetrieb als Farbenbindemittel und für die Lackfabrikation, für innere und äussere Anstriche so geeignet macht.

Im letzten Weltkrieg wurde das Leinöl für gewerbliche Zwecke zur absoluten Mangelware. Auf dem Schwarzmarkt wurde es zu horrenden Preisen gehandelt. Kostete 1939 ein Kilo Leinöl noch um die vierzig Rappen, so stieg sein Kilopreis in der Kriegszeit bis auf sechzehn Franken! Notgedrungen musste man sich damals mit sogenannten kriegsbedingten Ersatzstoffen, hergestellt aus Mineralölen, minderwertigen Lacken und Emulsionen begnügen.

Nach dem Krieg wurden die Ölfarben immer deutlicher durch die ihren Siegeszug antretenden Kunstharzfarben verdrängt. Dazu kamen anfangs der fünfziger Jahre auch die ersten Dispersionsfarben auf den Markt. Dadurch verlor die seit Generationen geübte Kalktechnik zusehends an Bedeutung und anstelle des mühsamen und zeitraubenden Fassadenabbürstens wurden bald einmal Hochdruckreiniger eingesetzt. Auch wurden die herkömmlichen Plafondbürsten durch die ersten Lammfellroller abgelöst, was gleichsam die Erfindung des Rades im Malergewerbe war.
Diese neuen Anstrichmittel und revolutionären Anstrichwerkzeuge erlaubten eine viel rationellere Arbeitsweise, und dank der schnelleren Trocknungszeit gegenüber den Ölfarben, waren dieselben bald nicht mehr gefragt.
In jüngster Zeit aber, wo immer deutlicher für den Umweltschutz plädiert wird, werden wieder vermehrt umweltfreundliche Ölfarbanstriche verlangt. Leinöl ist ein absolut giftfreies Naturprodukt, das aus dem Samen des Leins, auch Flachs genannt, gewonnen wird.

Beim Leinöl unterscheidet man zwischen verschiedenen Qualitäten wie Leinöl roh, Leinöl gebleicht, das mittels Sonnenlicht oder chemischer Mittel gebleicht wird und sehr hell ist. Lackleinöl, ein gebleichtes und qualitativ hochwertiges Öl, das aber keinerlei Lackzusätze enthält. Leinöl-Standöl ist reines Leinöl, das durch längeres Kochen bei hohen Temperaturen eingedickt wurde. Es wird den Ölfarben zwecks Glanzerhöhung und vermehrter Wetterbeständigkeit beigemengt.
Alle vorgenannten Öle trocknen ziemlich langsam. Um den Trockenprozess zu beschleunigen, wird das Leinöl unter Zusätzen von Trockenstoffen wie Blei-, Mangan- oder Kobaltverbindungen bei ca. 150°C gekocht, und wird so zum Leinölfirnis. Leinölfirnisse werden auch auf kaltem Weg hergestellt, indem man dem Leinöl dickflüssige Trockenextrakte aus den erwähnten Metallverbindungen, sogenannten Linoleate beimischt. Solche Firnisse nennt man auch Kalt- oder Linoleatfirnisse. Auf eine Glasplatte aufgestrichene Leinölfirnis muss in zwölf Stunden trocken sein.

Ölfarbanstriche für aussen sind bei richtiger Ausführung recht lange haltbar. Die Wahl der Farben und die Zusammensetzung des Bindemittels richten sich immer nach dem Zweck des Anstrichs und nach dem Untergrund. Ganz wichtig beim Aufbau eines Ölfarbanstrichs ist die Faustregel: immer fett auf mager! Anstriche auf Holz sollen demselben einen schützenden und konservierenden Überzug gegen Feuchtigkeit und andere schädliche Einflüsse geben. Auch soll durch geeignete Farbtöne ein wohlgefälliges Äusseres erzielt werden.
Für deckende Anstriche kommen hauptsächlich Weichhölzer wie Tannen, Fichten und Föhren in Frage. Harthölzer werden meistens naturbehandelt, d.h. lasiert und lackiert.

Die Grundierung erfolgt mit einer dünnen Bleiweiss-Ölfarbe. Der Bleiweisspaste mischt man 0,5%
Sikkativ und bis zu 20% in Leinöl geriebene Kreide bei. Diese wirkt porenschliessend und hart- trocknend. Als Verdünnung verwendet man ein Gemisch aus 2 Teilen Leinölfirnis und 1 Teil Terpentinöl. Es ist eine irrige Annahme, eine Grundierung müsse recht fett sein und es müsse möglichst viel Öl in das Holz eindringen. Wichtig ist, dass es sich mit dessen Oberfläche und dem Farbkörper gut verbindet. Ist der Grundanstrich trocken, werden die Flächen mit Glaspapier ge- schliffen, und Löcher und Risse gekittet. Spachtelarbeiten sollten im Freien auf ein Minimum beschränkt bleiben.

Dann erfolgt der Zwischenanstrich mit einer halbfetten Ölfarbe, dessen Farbton dem des Fertig- anstrichs ähnlich sein soll. Der Farbpaste gibt man 2% Sikkativ und etwas Harttrockenöl bei, und verdünnt mit sogenanntem Halböl, ein Gemisch aus je 1 Teil Leinölfirnis und Terpentinöl. Zwischen den einzelnen Ölfarbanstrichen müssen mindestens 2 bis 3 Tage für das Trocknen gerechnet werden. Wenn z. B. Fensterläden in einem Raum gestrichen werden, so ist unbedingt darauf zu achten, dass genügend Frischluft vorhanden ist, damit die Farbe gut trocknen kann.

Der Fertiganstrich ist sozusagen das neue Kleid. Er soll nicht nur schön, sondern ebenso dauerhaft sein. Deshalb ist die Wahl des Anstrichmaterials sehr wichtig. Man sollte den Fertiganstrich wenn möglich zwei Tage vor Gebrauch zubereiten, damit man den Verlauf und Glanzgrad, sowie die Trocknung prüfen kann. Zubereitung. Die Farbpaste wird unverdünnt auf den gewünschten Farbton ausgemischt. Dann folgt ein Zusatz von 10 bis 15 % Leinöl-Standöl (je nach Glanzstufe), 2 bis höchstens 3% Sikkativ und ein Schuss Harttrockenöl. Das Ganze tüchtig durchrühren und mit Leinölfirnis streichfertig verdünnen.
Der Zwischen- und der Fertiganstrich müssen "vertrieben" werden, d. h. die Farbe wird nach dem Aufstrich mit einem sogenannten Vertreiber (ca. 4" breit) verschlichtet, wodurch allfällige Pinselstriche verschwinden. Zum Streichen eignen sich die sogenannten Faustpinsel mit Schnurbund.

Ölfarben sollen nicht gespritzt werden. Die Farben müssten zu sehr mit Terpentinöl verdünnt werden. Dadurch würde ihr Glanz erheblich gebrochen, und die Farbschicht käme viel zu dünn aufgetragen.
Im Freien verwende man für weisse Fertiganstriche Bleiweiss pur, Titanweiss mit ca. 10 % Bleiweiss oder das sogenannte Dreipigmentweiss. Die Firma Sax fabriziert seit über 80 Jahren Ölfarben für das Malergewerbe. Daneben stellt sie als einzige Lack- und Farbenfabrik der Schweiz seit mehr als einem halben Jahrhundert Künstler-Ölfarben in 94 Farbtönen her. Diese sind in vier Tubengrössen erhältlich.

Die Malerölfarben werden pastenförmig oder streichfertig und auch nach Muster geliefert.
Die Leimtechnik war eine der wichtigsten und meist angewandten Techniken im Malergewerbe. Zu dieser zählt man alle diejenigen, bei deren Anwendung wasserlösliche Bindemittel, hauptsächlich Klebstoffe aus tierischen und pflanzlichen Produkten in Frage kommen wie Haut- und Knochenleim, Stärke- und Zell-Leime, Pflanzengummi, ferner Milch- und Eiweissstoffe wie Kasein und Albumin.
Nach diesen Bindemitteln teilt man die Technik wieder ein in: Leim-, Tempera-, Kasein-, Aquarelltechnik usw.. Unter Leimfarbe versteht der Fachmann die mit tierischem oder pflanzlichem Leim oder auch mit Kleister gebundenen Farben. Tierischer Leim, auch Glutinleim genannt, wird aus entfetteten Häuten, Knochen und Knorpeln gewonnen. Er ist in Tafeln und auch körner- und perlenförmig im Handel. Zu den besten zählt der sogenannte Hasenleim, der aus Hasenhäuten hergestellt wird. Für Leimlösung wird er einige Stunden in Wasser (1:12) gequellt und dann im Wasserbad erwärmt (nicht kochen!).

Schon im 17. Jahrhundert war die Leimfarbentechnik mit tierischem Leim im Gebrauch. Im Freien ist sie allerdings nicht haltbar, in Innenräumen kann sie aber auf jeden Verputz, auf Stein, Gewebe, Papier und Holz angewendet werden. Bei jedem Verputz ist ein vorheriges Präparieren des Grundes nötig, weil derselbe ungleichmässig saugt und der Anstrich deshalb fleckig würde. Dieses Präparieren geschieht mit Seifenwasser, wozu man Schmierseife in heissem Wasser auflöst. Eine solche Vorbehandlung des Grundes nennt man "Vorseifen". Bei normalem Putz darf die Seifenlösung nicht zu stark sein, da sonst der nachfolgende Leimfarbanstrich perlt. Ein Zusatz von etwas eingesumpfter Kreide zum Seifenwasser verhindert das Perlen.

Eine andere Vorbehandlung ist das sogenannte Alaunisieren, das besonders auf porösem Gipsverputz angewendet wird. Man tränkt den Verputz mit Alaunwasser. Dabei verbindet sich der Alaun mit dem Verputz und schliesst die Poren besser ab als Seifenwasser. Stark saugender und poröser Gipsverputz wird einmal vorgeseift und darauf alaunisiert. Leimfarbanstriche müssen auf geseiftem oder alaunisiertem Grund bald erfolgen, weil sonst die beabsichtigte Wirkung verloren geht. Der Seifengrund soll aber trocken sein, während der Anstrich mit Vorteil in die noch feuchte Alaungrundierung erfolgt. Durch Zusatz von Alaun zum Leim (10%) wird dieser mehr oder weniger wasserunlöslich. Etwas Milchzusatz macht die Leimfarbe geschmeidiger, besonders zum Linieren. Leimfarben setzen stark ab, hauptsächlich die erdigen und tonigen Farben. Sie verändern sich durch längeres Lagern und faulen bald.

Leimfarben mit tierischem Leim sollen darum möglichst frisch verwendet werden. Als Konservierungsmittel eignen sich Karbol, Salizyl oder Borsäure. Haut- und Knochenleime werden heute noch als Bindemittel für Kreide- und Halbölgründe in der Kunstmalerei sowie in der Vergolderei gebraucht. Sonst aber sind sie weitgehend durch die Pflanzenleime verdrängt worden. Man unterscheidet bei diesen zwischen Stärkeleimen und den sogen. Zell-leimen (Glutolin u.a.). Ihre Vorzüge sind: Kein Einweichen und Wärmen mehr, und auch das Vorseifen und Alaunisieren fallen weg. Das Leimpulver wird nur in kaltes Wasser eingerührt (Stärkeleim 1:8 und Zell-Leim 1:25) und ist nach kurzer Zeit gebrauchsfertig. Pflanzenleime sind elastischer als Tierleim und auch bei stark überleimter Farbe ist kaum ein Abplatzen des Anstrichs zu befürchten. Gipsverputz wird mit stark verdünnter Leimlösung mit etwas Leimfarbezusatz grundiert. Zementverputz muss ein- bis zweimal mit Kalkmilch grundiert werden. Holz kann direkt mit Leimfarbe gestrichen werden, für bessere Arbeiten empfiehlt sich eine Grundierung mit magerer Öl- oder Lackfarbe. Leimfarben trocknen ganz hell auf und erreichen wieder den ursprünglichen Ton des Farbpulvers. Pflanzenleim kann länger aufbewahrt werden, ohne zu faulen.

Die Kaseinmalerei. Kasein ist ein hervorragendes Farbenbindemittel. Schon im Altertum war der Käsestoff der Milch mit Kalkzusatz als Bindemittel bekannt, daher darf die Kaseintechnik zu den ältesten gezählt werden. Mit der Herstellung des Trockenkaseins in Pulverform ohne Kalk hat die Kaseintechnik neue Bedeutung erlangt. Kasein wird aus dem Käsequark gewonnen und ist ein weissgelbes, griessähnliches Pulver. Es ist in Wasser nur quellbar und muss deshalb mit alkalischen Mitteln aufgeschlossen werden. Man lässt das Pulver einige Stunden in Wasser quellen (50 Gr. Kasein auf 250 ccm. Wasser), erwärmt es dann im Wasserbad auf ca. 40°C und schliesst es unter Zugabe von 10% Salmiak (auf das Pulver berechnet) auf.

Kaseinmalereien auf Kalkverputz in Innenräumen, lasierend und deckend ausgeführt, gehören zum Schönsten, was es in der Malerei gibt. Sie werden sehr fest, hellen beim Trocknen nicht viel auf, haben kräftige, leuchtende Töne und wirken freskoartig. Kaseinlösungen dürfen nicht zu stark verdünnt werden, weil sie sonst die Bindekraft verlieren.
Putzflächen werden mit schwacher Kalkmilch vorgestrichen. Dann trägt man die Lasurtöne auf und malt in dieselben *nass in nass sofort deckend hinein. Die Malereien können auch gefirnisst oder lackiert werden. Deckende Kaseinanstriche werden wie Leimfarben zubereitet. Die Pulverfarben werden in Wasser knollenfrei angezeigt und dann mit der Kaseinlösung gebunden. Schwer benetzbaren Pigmenten wie z. B. Schwarz, gibt man zum Anrühren etwas Sprit bei. Wichtig ist, dass nach jeder Bindemittelbeigabe, sei es Kasein oder Leim, eine Wischprobe gemacht wird. Man bestreicht ein Stück Papier, trocknet den Aufstrich mit dem Föhn oder mittels einer Heizplatte oder Kerzenflamme. Die Farbe darf beim Darüberwischen mit der Hand nicht abfärben, ansonst noch mehr Bindemittel zugesetzt werden muss. Die Festigkeit und Widerstandsfähigkeit der Kaseinfarben wird durch Zugabe von wenig Leinöl wesentlich erhöht. Das Öl darf aber nur in die noch unverdünnte Kaseinlösung eingerührt werden. Saugender Verputz wird vorgeseift oder mit entrahmter Milch oder mit ganz dünner Kaseinlösung vorgestrichen. Man soll immer erproben, was das Beste ist. Glatter, wasserabstossender Verputz wird mit stark verdünnter Kaseinlösung mit etwas Kreidezusatz grundiert.
Auf frischem, noch feuchtem Kalkverputz können mit Kaseinfarben wetterbeständige Malereien erzielt werden. Für Kalkkasein dürfen nur kalkechte Pulverfarben verwendet werden. Kaseinfarben gehen trotz Konservierung rasch in Fäulnis über und können nicht gelagert werden. Zum Konservieren verwende man Sax-Konservierungsmittel M-K. Kaseinpulver muss kühl und trocken aufbewahrt bleiben.

* "Nass in nass" bedeutet:
- grosse Flächen (Fassaden) Hand in Hand streichen oder rollen, damit keine Ansätze
  sichtbar werden,
- in eine mit Wasser vorgenetzte Fassade streichen (z. B. mit Kalk)
- in frischen, noch nicht abgebundenen Verputz malen (Fresko)
- Primamalerei (a prima vista) = "in einem Guss malen".

Die Temperamalerei wurde früher für die Tafelmalerei auf Holz und für Wandmalerei auf Verputz angewandt. Das Wort Tempera wird abgeleitet vom lateinischen temperare und bedeutet vermengen = vermischen. Temperafarben hellen beim Trocknen kaum wesentlich auf und trocknen langsamer als Leimfarben. Sie besitzen grosse Leuchtkraft und Tontiefe und haften sehr fest. Die Tempera findet hauptsächlich in der Kunstmalerei Verwendung und eignet sich vorzüglich als Untermalung für Ölmalerei. In geschützten Räumen kann sie auf Leim- und Ölfarbanstriche, Holz, Papier, Gewebe und Verputze angewandt werden. Stark saugender Verputz wird mit verdünnter Tempera vorgestrichen.

Ei-Tempera ist eine Mischung von geschlagenem Hühnerei, vermengt mit gleichem Teil Leinölfirnis. Ohne Eiweiss wird die Tempera fetter.

Kasein-Tempera ist Kaseinlösung mit 1/4 bis 1/3 Leinölfirnis.
Diese beiden klassischen Temperas sind ziemlich wasserfest. Durch verringern des Leinölanteils mit Dammarfirnis (Dammarharz 1:2 in Terpentinöl gelöst) wird die Tempera magerer. Tempera und Temperafarben müssen auch Konservierungsmittel enthalten und gut verschlossen aufbewahrt werden. Gebrauchte Pinsel sind sofort mit Seife auszuwaschen.
Eine Sonderstellung unter den Anstrichtechniken nimmt zweifelsohne die Fresko-Malerei ein, denn zu ihrer Ausführung braucht es kein Bindemittel. Sie war schon den alten Römern bekannt, kam dann im Mittelalter, zuerst in Italien, wieder auf und erreichte ihre Blütezeit, bis Kriege und die Bilderstürme in der Reformationszeit ihre Spuren mit Kalktünche wieder auslöschten.
Die für die Freskomalerei erforderlichen Pulverfarben müssen absolut kalkbeständig sein. Sie werden nur mit Wasser, am besten mit Kalkwasser angemacht. Als Weissfarbe verwendet man gelöschten Grubenkalk. Es wird auf frischen Kalkputz, sobald dieser etwas angezogen hat, gemalt. Daher die Bezeichnung "Fresko", die aus dem italienischen "al fresco" stammt, was auf frischen Verputz malen bedeutet.

Diese Malerei erfordert grosses Können und Erfahrung, weil ein Übermalen oder Verbessern nicht möglich ist. Was gemalt ist, ist gemalt und kann nachträglich nur in mühsamer Arbeit mit Mineral-,
Kasein- oder Temperafarben korrigiert werden. Da nur in frischen, noch feuchten Mörtel gemalt werden darf, muss der, der an einem Tag nicht bemalt wird, wieder abgeschlagen werden. Dabei ist zu beachten, dass der Putz - wenn irgend möglich - gemalten Konturen entlang entfernt wird. Dadurch kann der Ansatz zwischen dem neuen Putz und dem bereits bemalten besser vertuscht werden.

Kalk ist eine der ältesten Anstrichfarben, wurde er doch bereits von den Babyloniern als Tünche verwendet. Er ist Anstrich-, Binde- und Konservierungsmittel in einem. Für Anstriche verwendet man gut gelagerten, eingesumpften Grubenkalk. Zum Streichen muss er mit Wasser stark verdünnt werden. Von der Sonne erwärmte, aber auch trockene und sehr poröse Fassaden sind mit Wasser gut vorzunetzen. Für solche Fälle wird auch Milch- oder Kaseinzusatz zur Anstrichfarbe empfohlen. Vor Gebrauch wird die Kalktünche im Fass gut aufgerührt und beim Abfüllen in die Streicheimer gesiebt. Die Tünche kann man mit in Wasser angerührten kalkechten Pulverfarben abtönen. Um die Bindekraft des Kalks nicht zu vermindern, dürfen ihm höchstens 8% Mischfarben zugesetzt werden.
Vorsicht! - Kalk wirkt ätzend. Haut- und Augenkontakt vermeiden. Die wesentlichsten Grundstoffe der beschriebenen Techniken sind die Pulverfarben. Die Firma Sax verfügt über eine reichhaltige Palette auserlesener, hochwertiger Pigmente. Aber auch die erwähnten Öle, Leime und weiteren Zutaten stehen nebst vielen anderen Qualitätsprodukten, sowohl für den Fachmann als auch für den Laien bereit.
Wir hörten aus vergangener Zeit, und in dieser datiert auch die Gründung unserer Firma. Aus den Anfängen eines kleinen Ölfarbenhandels wurde die heutige Sax-Farben AG.
Mit seiner Pionierarbeit und seinem steten Bemühen um eine saubere Marktwirtschaft in der Lack- und Farbenbranche, trug unser unvergessener Herr Willy Sax massgebend zum Erfolg der Firma bei.
Sein Name bleibt uns Verpflichtung.

Literatur: K. W. Hild, Der Weggenosse, Stuttgart 1929

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